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F. G. Rossner Flanellspinnerei, -weberei, -färberei, gegr. 1892

F. G. Rossner Flanellspinnerei
F. G. Rossner Flanellspinnerei
Abb.: Jörg-Uwe Jahn
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0, Rechteinhaber: Stadt Pößneck
Ort:
Raniser Straße 3 (Standort Infotafel klären)
Koordinaten:
11.591133,50.691933 (ö.L/n.B, WGS84, Dezimalgrad)
Titel:
F. G. Rossner Flanellspinnerei, -weberei, -färberei, gegr. 1892
Klassifikation:
Industrieroute
Datenquelle:
Industriekultur Thüringen

Weitere Abbildungen:

Beschreibung:

Raniser Straße 3:
“F. G. Rossner” Flanellspinnerei, -weberei, -färberei, erbaut 1892
Streichgarnspinnerei

Seit dem 18. Jahrhundert stand auf dem Gelände Raniser Straße 3 die sogenannte Obermühle oder Neue Mühle. Diese hatte der Müller Johann Nicol Penser im Jahr 1770 erbaut und zur Regulierung des Wasserzuflusses 1779 einen Teich angelegt. 1801 ging die Mühle in den Besitz des Pößnecker Porzellanwerkes über. Die Besitzer Tobias Albert und ab 1814 Conta & Böhme betrieben sie bis 1837 als Massemühle zur Herstellung von Porzellanmasse.

Um 1890 erwarb der Spinnereibesitzer Friedrich Gotthilf Rossner das gesamte Gelände und ließ eine für damalige Verhältnisse imposante Flanellfabrik errichten - bereits seit 1864 war die Tuchfabrikation und Spinnerei “Diesel & Rossner” in der Raniser Straße 1 tätig gewesen. Vermutlich waren bereits in dieser Zeit seine Stiefsöhne Franz und Reinhard Bratfisch und Richard Greuner ins Geschäft eingestiegen. Der Neubau von 1892 umfasste ein fünfstöckiges Fabrikgebäude mit dampfgetriebener Krempelei, Weberei und Spinnerei, eine kleine Shedhalle für die Färberei, Nebengebäude, ein Wasserbassin und ein Heizhaus mit großem Schornstein. Um die Wasserversorgung sicherzustellen, wurden im Innern der 1897 noch erweiterten Shedhalle zwei Zisternen mit Tiefbrunnen angelegt. Das Unternehmen “F. G. Rossner, Spinnerei und Weberei, Dampffärberei & Appretur für reinwollene Flanelle” beschäftigte anfangs 49, im Jahr 1896 bereits 86 Personen.
Am 9. November 1898 vernichtete ein Großbrand, wie ihn die Stadt noch nicht erlebt hatte, die gesamte Fabrik. Die Gebäudereste wurden umgehend abgetragen und ein größerer Neubau errichtet, sodass die Produktion bereits im Dezember 1899 wieder aufgenommen werden konnte. In den nächsten Jahren folgten noch verschiedene technische Neuerungen und Umbauten. Im Jahr 1936 musste die Flanellfabrik Rossner, damals schon seit mindestens zehn Jahren eine Aktiengesellschaft, Konkurs anmelden.

Als Käufer fand sich der Großfabrikant Hermann Teichgräber, der am 18. November 1937 eine Leinen- und Wollspinnerei anmeldete. Während des Zweiten Weltkriegs ruhte die Textilproduktion, die Fabrikgebäude wurden zum Teil von der Luftwaffe als Lager für Flugzeugbauteile genutzt. Im Januar 1946 mietete Oskar Kempf, ein Ingenieur aus der Schweiz, den Betrieb und die noch darin befindlichen Maschinen von der Stadt Pößneck und eröffnete die “Wollspinnerei Oskar Kempf”. Auch die “Mitteldeutsche Kunststoff-Waren GmbH - Mikuwa” und die Firma Hermann Otto Beck - “Technische Fabrikate sowie chemisch-technische Erzeugnisse für alle Zweige der Industrie” - kamen kurzzeitig im Gebäude unter.
Bereits 1948 wurde die Wollspinnerei in den volkseigenen Betrieb “VEB Thüringer Streichgarnspinnerei” umgewandelt, der aus Wolle und Kunstfasern hochwertige Garne herstellte. Die Fabrik erhielt in der Folge einen Fahrstuhl und Dieselgeneratoren, auch ein Bürogebäude wurde hinzugekauft. Nach der Angliederung an die Crimmitschauer Textilwerke (“VEB Volltuchwerke Crimmitschau”) im Jahr 1971, produzierte der Pößnecker Betrieb noch bis 1989. Die im Anschluss ungenutzten Gebäude verfielen und wurden 2005/06 abgerissen. Ein Teil der Außenmauer an der Raniser Straße ist zum Andenken erhalten.

Karte: