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Flanellfabriken am Viehmarkt

Flanellfabriken am Viehmarkt
Flanellfabriken am Viehmarkt
Abb.: Jörg-Uwe Jahn
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0, Rechteinhaber: Stadt Pößneck
Ort:
Viehmarkt heute VS-Wohnheim (Standort bauliche Maßnahme bzw. Infotafeln klären)
Koordinaten:
11.59785,50.6973 (ö.L/n.B, WGS84, Dezimalgrad)
Titel:
Flanellfabriken am Viehmarkt
Klassifikation:
Industrieroute
Datenquelle:
Industriekultur Thüringen

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Beschreibung:

Industriebebauung auf dem Viehmarkt

Der heute luftig gestaltete Viehmarkt und seine unmittelbare Umgebung waren einst Standort riesiger Fabrikkomplexe. Die Wiesengrundstücke zwischen Pößneck und Jüdewein wurden ab 1840 für Viehmärkte genutzt, zwischen 1870 und 1890 aber fast vollständig an Unternehmer verkauft. Um 1900 produzierten hier in höchster Verdichtung allein sechs Flanellfabriken sowie drei Lederfabriken.
Die Flanellfabriken waren Volltuchfabriken, das heißt, sie leisteten mit Spinnerei, Weberei, Veredelung und Färberei alle Arbeitsschritte vom Rohmaterial zum fertigen Tuch. Die Maschinen wurden mittels Transmission von jeweils mindestens zwei Dampfmaschinen angetrieben, welche vorwiegend aus sächsischer Produktion stammten.
Für alle Fabriken war die Nähe zum Bach Kotschau entscheidend: Vor allem zum Färben der Tuche wurde viel Wasser benötigt und sowohl Flanell- als auch Lederfabriken hatten Unmengen von Abwasser zu entsorgen, welches sie in den Bach einleiteten. Die schlammigen, stinkenden und teils giftigen Brühen belasteten nicht nur die Kotschau massiv, sie schädigten auch noch weite Teile der Orla. Ab 1904 wurden die Fabrikbesitzer behördlich zum Bau von Kläranlagen verpflichtet.
Nach dem Ersten Weltkrieg war die Pößnecker Textilindustrie mit etwa 2500 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Die Fabriken standen untereinander in einem ständigen Wettbewerb. Um gegenüber den großen Textilfabriken an der Saalfelder Straße konkurrenzfähig zu bleiben, schlossen sich „Büttner & Freysoldt“, „Chr. Fr. Bernhardt“ und „C. G. Wölfel & Sohn“ 1920 zur sogenannten “Entente” zusammen. Im Zweiten Weltkrieg wurde auf Kriegsproduktion umgestellt und Gebäude an kriegswichtige Betriebe vermietet, so unter anderem an Carl Zeiss Jena. In der DDR-Zeit waren auf dem Viehmarkt ein Textilgroßhandel, der „VEB Möbelwerk“ und eine Metallgießerei angesiedelt. Nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung standen die Gebäude leer und verfielen.
Anlässlich der 1. Thüringer Landesgartenschau in Pößneck im Jahr 2000 erfolgte ab 1996 ein weitgehender Abriss der leerstehenden Fabriken. Die Shedhalle wurde denkmalgerecht saniert und als Ausstellungshalle genutzt. Zudem entstanden rund um den wieder freigelegten Bach Kotschau Parkanlagen. Von 2005-2013 wurden die erhaltenen Fabrikbauten der Flanellfabriken von der „Volkssolidarität Pößneck“ komplett saniert und ihrer jetzigen Bestimmung übergeben.
Die Flanellfabriken

Das heute vom Berufsschulzentrum genutzte Gebäude wurde 1883 errichtet und verweist auf die 1841 gegründeten Flanell- und Tuchfabrik “C. G. Wölfel & Sohn”.
Ein zweiter Bau, das heutige Lehrlingswohnheim, gehörte zur 1874 gegründeten Flanellfabrik “Otto Büttner und Freysoldt” und stammt von 1894.
Die Shedhalle, benannt nach ihrem markanten Sheddach, beherbergte früher die Färberei der Flanell-, Tuch- und Konfektionsstofffabrik “Chr. Fr. Bernhardt” (gegr. 1876). Die ursprüngliche Fabrikanlage erstreckte sich auch auf das Gebäude M2, die heutigen Euroschulen sowie beide Parkplätze. Ihr Besitzer Wilhelm Ferdinand Berhardt entstammte einer ab dem 15. Jahrhundert in Pößneck nachzuweisenden Tuchmacherdynastie. Sein Unternehmen hatte er nach seinem Vater Christian Friedrich benannt, der in Pößneck mehrere Jahre zweiter Bürgermeister war.
Außerdem produzierten Ende des 20. Jahrhunderts die deutlich kleineren Firmen “J. F. C. Rothe” und “C. H. Rahnis” auf dem heutigen Parkgelände an der Shedhalle ihre Flanelle, östlich der heutigen Feuerwehrgebäude stand die Fabrik “König und Siegel”.

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